LAUTEINFÜGUNG* IN C-DUR



Über die Speicherfähigkeit des Widerhallenden Körpers


Klanginstallation / Rechteckige Schalung aus Aluminium mit Holzgehäuse 130 x 210 cm / Stimmgabelstruktur aus verzinktem Eisen – Durchmesser ca. 3 cm insg. 300 cm
80 W Gitarrenverstärker verbunden mit Signal Board aus Aluminium 



Stundenlang habe ich über das entstellte äußere Erscheinungsbild des Bildhauer Gironcoli nachgedacht, als ob seine verzerrte Physiognomie gewissermaßen in Bezug auf lineare Zeit und Materialitätsgrenzen, die pragmatische Erhabenheit seiner dreidimensionalen Objekte vorhergegangen ist. Dasselbe Gefühl hatte ich auch beim Durchlesen “Die Zukunft der Menschlichen Natur” von Habermas, auf jeden Fall ist es ein in mancher Hinsicht fesselnder Versuch, historischen Materialismus zu umgehen, dennoch mich selbst plötzlich in einem historischen Wiener Herrenausstatter zu befinden, als ich über die außergewöhnliche Struktur des Mundes Habermas nachgedacht habe, war sogar frappierender.

“ A concern for elementary vibrations must go beyond their quantifcation in physics into primary frequencies. On the other hand, the phenomenological anthropocentrism of almost all musical and sonic analysis, obsessed with individualized, subjective feeling, denigrates the vibrational nexus at the altar of human audition, thereby neglecting the agency distributed around a vibrational encounter and ignoring the nonhuman participants of the nexus of experience. Rather, it is a concern for potential vibration and the abstract rhythmic relation of oscillation, which is key. What is prioritized here is the in-between of oscillation, the vibration of vibration, the virtuality of the tremble. Vibrations always exceed the actual entities that emit them. Vibrating entities are always entities out of phase with themselves. A vibratory nexus exceeds and precedes the distinction between subject and object, constituting a mesh of relation in which discreet entities prehend each other’s vibrations. Not just amodal, this vibrational anarchitecture, it will be suggested, produces the very division between subjective and objective, time and space. ” **

Nach einer alten Klassifzierung entsprechen die verschiedenen Geistesvermögen je einer Dimension der Zeitlichkeit: die Wahrnehmung der Gegenwart, das Gedächtnis der Vergangenheit, die Erwartung der Zukunft. Da wir das kontinuierliche Gewebe der Wirklichkeit in fest umrissene Gegenstände zerteilen, um überhaupt handeln zu können, brauchen wir ein neues Durchdenken des Raumes, nicht nur stillstehende Gegenstände zu manipulieren, sondern auch der Klang, der sich überall in den virtuellen Ebenen des Denkens bewegt zu verwirklichen. Das Bemerken des Wandels von den körperlichen Unzulänglichkeiten zur sprachlichen/klanglichen Äußerungen hängt eng mit der Speicherfähigkeit unserer Körper zusammen, zumindest all dies stammt aus dem Schall, der ständig in verschiedenen Formen verschachtelt wird. Diese Arbeit selbst bemüht sich darum, eine persönliche Auslegung auf die Wahrnehmung des erzeugten Klangbildes zu erfassen, ohne beträchtlicher Teil des ebenmäßigen Verständnis zu sein.

Der Aufbau dieser Arbeit besteht aus zwei aneinandergrenzenden Teilen aus mehreren Metallen. Der untere Teil des Gerüstes funktioniert als Resonanzkörper – eine zweidimensionale Ebene, in der nachvollzogenen Schallwellen zwischen dem Ausstellungsraum und der hinteren Wand übertragen werden. Die schwingende Oberfäche wird mit einem Verstärker verbunden, sowohl das Rohrstück des Gewindes als auch das Befestigungsmaterial wird durch die Wand durchgebohrt. Mittels dieses Gewindes wird die Teillänge des Rohres an dem Verstärker montiert, so dass das Signal mit durchgehendem Bewehrungskern entsteht. Die eigenständige Baueinheit wird mit einem Pedalboard verbunden, um die Signalstrecke zu prolongieren.



*Epenthese; Einfügung von lauten ohne etymologische Motivation zur Erleichterung der Aussprache
**13.7 Billion B.C.: The Ontology of Vibrational Force, Sonic Warfare: Sound, Affect, and the Ecology of Fear, Steve Goodman (2010)